Digitale Berufspatenschaften – wann der Kontakt auf Distanz gut gelingt

Veröffentlicht am 15. Juli 2021
Unter: Gute Beispiele

Berufspatenschaft digital

Wie kann es gut gelingen, das Onboarding der neuen Pat*innen digital zu gestalten, zwei Menschen auf Distanz zusammenzubringen oder eine Patenschaft digital zu initiieren? Und ist es überhaupt eine gute Idee, sich in der Patenschaft im digitalen Raum zu treffen?

Hier schildert Marina Zuchenko-Fritzsche, die Projektleiterin der Berufspatenschaften.digital ihre Erfahrungen:

Der Erfolg der digitalen Patenschaften hängt meistens davon ab, wie experimentierfreudig und offen für Neues die Beteiligten sind. Wenn sich die Koordinator*innen, die Pat*innen und ihre Mentees auf das digitale Erlebnis einlassen möchten, kann relativ wenig schief gehen. Um einzuschätzen, wie und wann eine Patenschaft im digitalen Raum gelingt, hier einige Gedanken im Vorfeld:

Als Erstes stellt sich die Frage, ob die Zielgruppe in der Patenschaft mit den digitalen Angeboten gut zurechtkommen wird. So ist es eher eine große Herausforderung, Treffen und Gespräche mit kleinen Kindern und Senioren im virtuellen Raum authentisch zu gestalten. Wenn es beim Ehrenamt um die Freizeit geht, kommt man ebenfalls schnell an digitale Grenzen. Es kann jedoch sehr gut passen, wenn in der Patenschaft ein Ziel festgelegt werden kann, zum Beispiel „Wir üben ein Vorstellungsgespräch“.

Im Weiteren verfügen nicht alle Menschen mit Migrationsgeschichte über notwendige Technik. Ein funktionierendes Gerät, Zugang zum Internet und ein wenig digitales Know-How sind erforderlich. Dann können die Tandem-Treffen ganz unkompliziert, ortsunabhängig und flexibel stattfinden.

Nichtdestotrotz sollte die persönlichere Komponente der analogen Begegnungen nicht unterschätzt werden. An einem Beispiel in den Berufspatenschaften wird es deutlich. Die Berufspatin Grit Gardelegen und Frau Karimi (Name geändert) aus Afghanistan haben sich über Zoom kennengelernt. Das digitale Gespräch konnte schnell organisiert werden, verlief freundlich und motivierend. Trotz einiger Verzögerungen wegen der schlechten Internetverbindung wurde die Berufspatenschaft erfolgreich initiiert.

Ein wenig Unsicherheit auf beiden Seiten war dabei jedoch anzumerken. Die Berufspatin hat auch gleich betont, dass sie sich bald ein persönliches Treffen wünscht. Einige Wochen später berichtete sie vom Kennenlernen in Präsenz und bestätigte Ihre Bereitschaft für die Unterstützung: „Ich glaube, es passt ganz gut“. In den Wochen dazwischen bestand der Kontakt hauptsächlich per E-Mail. Aktuell besteht das Ziel in der Berufspatenschaft, Frau Khadadadi beim Lernen der deutschen Sprache zu unterstützen. Danach möchte sich die Berufspatin gemeinsam mit ihrem Mentee um ein Praktikum bemühen. Frau Khadadadi ist ausgebildete Bauingenieurin und strebt an, in diesem Beruf eine ihrer Qualifikation und Fachlichkeit entsprechende Arbeit zu finden.

Auf die Frage, was die Vorteile der digitalen Medien für die Patenschaften sein können, sagt die Berufspatin:

„Auf jeden Fall bieten digitale Medien die gute Möglichkeit, während der Pandemie oder auch bei längeren Pausen, bedingt durch Schulungen/ Seminare oder auch die eigene berufliche Begrenzung, besser in Kontakt zu bleiben. Es ist sehr wichtig, sich mit allem, was den künftigen Beruf ausmacht, vertraut zu machen – dazu gehört in dem Beispiel, welche Baufirmen es gibt, welche Baustile, neue Baumethoden – dies unterscheidet sich doch oft erheblich von dem, was im eigenen Land vermittelt wurde und muss aber als Vorbereitung für die Bewerbungen unbedingt beachtet und aufgearbeitet werden. Da kann das Internet erheblich helfen. Wir nutzen die digitalen Medien für „Hausaufgaben“ während der Wartezeit mit dem Ziel, die beruflichen Skills weiterzuentwickeln und die deutsche Sprache zu üben. Weiterhin bringen wir alles für das Bewerbungsverfahren auf den Weg und mein Schützling recherchiert im Netz zusammen mit mir nach geeigneten Praktikumsstellen und später auch Stellenausschreibungen. Man darf den Faden nicht verlieren und auch nicht den Kontakt zueinander- eine engmaschige Betreuung ist sehr wichtig, gerade am Anfang. Man muss Vertrauen aufbauen, Ideen gemeinsam entwickeln und überzeugt an die Sache gehen – sonst wird das nichts. Aber das richtige Kennenlernen kann es nicht ersetzen. Gerade im Hinblick auf die Sprachbarriere macht es sich einfach besser, wenn man mit Händen, Füßen und Mimik sich verständigen kann und dann auch wirklich versteht. Am Videobildschirm ist dies leider nicht so gegeben und bringt etwas „Frost“ in die Atmosphäre.“

Digitale Patenschaften bieten eine tolle Möglichkeit, in pandemischen Zeiten den Kontakt weiterhin intensiv aufrechtzuerhalten. Es ist auch eine gute Lösung, wenn die Engagierten zeitlich begrenzte Kapazitäten haben und sich mehr Flexibilität im Ehrenamt wünschen. Darüber hinaus sind digitale Tools mittlerweile sehr gut entwickelt, viele können kostenfrei genutzt werden. Mit ein bisschen Mut und Kreativität kann man eine gute Balance zwischen digital und analog sowie einen passenden Weg in der Gestaltung der Patenschaft finden.

Kontakt
  • Freiwilligen-Agentur Halle
    Marina Zubchenko-Fritzsche

  • 0345 - 135 03 68

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